Alles offenbaren, bevor ich es selbst probiert habe

Heute ein Thema, welches viel zu oft weggeschwiegen und gesellschaftlich eher unterdrückt wird. Ja, es wird um Sexualität, Vorlieben und weitere „Tabu-Themen“ gehen.

Gerade in der Pubertät, aber auch in anderen Phasen des Lebens, stoßen die meisten bei sich auf Gefühle und Gelüste, die erstmal für sich selbst entdeckt werden müssen. Häufig sind es Sachen, vor denen sich anfangs erstmal geschämt wird. Mir geht das nicht anders. Nehmen wir mal den Bereich meiner eigenen Sexualität und mein Outing, dass ich lieber Kleider anstelle von Jogginghosen tragen möchte. Mehr dazu findet ihr in diesem Blog (LINK EINFÜGEN)

Die erste schwere Hürde, ist dabei die von einem selbst: „Möchte ich das wirklich?“, „Wie fühlt es sich wohl an?“ Fragen, die ich mir sehr oft gestellt habe. Ich war mir zu dem Zeitpunkt selbst noch unsicher und habe das daher viele Jahre „unterdrückt“. Dann beginnt die Phase, nach der eigenen Überwindung, es selbst auszuprobieren. Auch beispielsweise das Benutzen Sexspielzeugen, oder anderen, in unserer Gesellschaft eher verschwiegene Techniken, wie z.B. Bondage-Praktiken, sind Themen, die kaum jemand anspricht, aber eigentlich ganz natürlich sein sollten.

Solche Fragen sind für jeden Menschen anfangs sehr schwer. Menschen mit Behinderungen haben hierbei oftmals noch eine weitere große Hürde. Denn für viele Dinge brauche ich Unterstützung von anderen. Bevor ich also dazu komme, gewisse Vorstellungen bei mir selbst auszuprobieren, muss ich mich einer Person öffnen mir zu helfen. Also muss ich eine weitere Hürde überwinden, um überhaupt den Anfang machen zu können, ohne mir selbst sicher zu sein, ob ich das möchte. Dass, das viel Überwindung braucht, sollte klar sein.

Jetzt mal etwas indiskret, aber ein praktisches Beispiel, um dies zu verdeutlichen: Wer möchte schon jemanden den Auftrag geben, zu helfen ein Sexspielzeug bei einem anzuwenden? Okay, dass ist jetzt ein ziemlich harter Satz, aber 100% ehrlich. Ich merke selber beim Schreiben, wie unangenehm es ist so offen darüber zu sprechen. Ja, auch ich schäme mich bei vielen Dingen immer noch. Ich frage mich jetzt auch beim Schreiben, wie die Reaktion sein wird. Habe ich hiermit meine letzte Seriosität abgegeben? Dann Frage ich mich aber wieder, warum ich mich das Frage, denn eigentlich sind das alles Themen, die völlig natürlich sind und offen kommuniziert werden sollten. Die Themen an sich sind nicht Tabu, sondern unsere Gesellschaft macht die zu einem Problem. Versteht ihr mein Zwiespalt?

Ein anderer Bereich, den ich mir bis vor kurzen selbst nicht getraut habe, ich mich selbst zu schminken. Ich weiß nicht warum, aber es hat mich echt viel Überwindung gekostet, jemanden um Hilfe zu bitten. Hier bin ich jetzt immer noch in der Phase es für mich selbst auszuprobieren, bevor ich es anderen vorzeige. Aber das erstmal für sich klarzumachen, war ein langer Prozess.

Ihr merkt schon, dass ich teilweise mir selbst noch sehr unsicher bin. Aber gerade das ist mein Ziel dieses Blogs: Offen und ehrlich nicht nur das Ende meiner Reisen zu präsentieren, sondern auch den Weg mit allen Hürden aufzeigen.

Danke, dass ich mit euch meine Gedanken teilen durfte. Jetzt hoffe ich, dass ihr mir noch in die Augen schauen könnt und Wünsche eine tolle Zeit.

Viele Grüße

Linus